Skulptur heute
in der langen Geschichte der Skulptur lag das Hauptinteresse der Bildhauer meist in der realistischen Wiedergabe der menschlichen Gestalt in Bekleideter Form oder als Akt, und mindestens neun Zehntel aller jemals gefertigten Plastiken sind diesem Sujet gewidmet. Über die Jahrhunderte dienten entsprechende Darstellungen zur Formulierung abstrakter Konzepte sowie besonderer Erzählungen, Gefühle, Sehnsüchte und Ängste, die in den Dienst von Religion, Mythologie, Ideologien, Politik und nationaler Identität gepresst wurden. In den 1960er Jahren verlor der Körper seine Bedeutung als vorrangiges Thema der Bildhauerkunst. Es war dies Jahrzehnt, in dem in Amerika und Großbritannien vereinfachte geometrische Skulpturen in Erscheinung traten und eine neue künstlerische Bewegung in der Bildhauerkunst einleiteten. Am Ende der 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre kam es in der Malerei wie Skulptur zu einer Rückkehr zur figürlichen Kunst. Dies mag überraschend wirken, bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass es Gründe für diese Entwicklung gab. Die Rückwendung wurde angeführt von deutschen und italienischen Malern, die den Bildhauern den weg ebneten. Deutsche Künstler wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz und Anselm Kiefer stellten sich der jüngeren Geschichte und befassten sich mit der Diffamierung der deutschen Expressionistischen Kunst des frühen Jahrhunderts. Die Geschichte der Skulptur kennt eine enorme Vielfalt von Herangehensweisen an die Figuration und die Bildhauer, die sich mit diesem Thema beschäftigten, waren sich dessen nur zu bewusst.